Reisebericht Ukraine 2005
Motorradtour Ukraine 2005

Es ist Montag 15. August 2005. Die Zahl der tapferen Mitstreiter
beträgt gerade mal 2 – in Worten:“zwei” - die sich gegen Mittag in
Rossbach treffen, um langsam gen Richtung Osten zu fahren.
Großartige Routenplanungen haben wir nicht angestellt, was zum Teil
auch bereits daran liegt, dass die Information über die von uns
beabsichtigte Strecke eher spärlich sind. Weder Polen, noch die
Ukraine haben sich insoweit bislang einem größerem Kreis von
Motorradtourenfahrern erschlossen.
Entsprechend haben wir auch nur einige Eckdaten und Termine, die uns
letztendlich den Verlauf vorgeben. Dazu gehört unter anderem der
Abfahrtstermin der Fähre von Odessa nach Istanbul am 20.08.2005, sowie
das am Vorabend in Odessa gebuchte Hotel.
Gleiches gilt für den Autoreisezug von Erdine ( Türkei ) nach Villach
am 24.08.200.
Weitere Buchungen, insbesondere hinsichtlich der Unterkunft, haben wir
nicht getroffen, bzw. zum Teil wegen Sprachkenntnissen - insbesondere
der fehlenden - auch nicht treffen können. Hinzu kommt weiter, dass
bis zum Abreisetag nach wie vor keine Buchungsbestätigung für die
Fähre vorliegt.
Die Buchung der Fähre ist über einen Bekannten erfolgt, der in einer
Spedition an der polnischen Grenze arbeitet und seinerseits einen
Bekannten in Kiev um Vermittlung gebeten hat. Der Bekannte in Kiev
hatte dann wiederum seinerseits Bekannte, die ein Hotel in Odessa
betreiben....….
Erwartungsgemäß beginnt unsere Motorradtour im strömenden Regen. In
Rossbach zur Abholung von Andreas angekommen, muss dieser noch mit
Hilfe des Hausmeisters die frisch erworbenen Satteltaschen aufrödeln,
schnell noch eine rauchen- die Kippenspur wird sich letztendlich durch
halb Osteuropa ziehen- und endlich geht es los.
Der erste Teil der Tour ist mehr oder weniger unspektakulär, nachdem
erst einmal die Autobahn in Richtung Dresden erreicht ist. Das Wetter
ist zum Teil recht durchwachsen, bessert sich aber, je näher wir der
polnischen Grenze kommen. Bereits der erste Abend zeigt, dass wir
Gegenden erreicht haben, in denen nicht einmal der Mobilfunk
funktioniert und so übernachten wir kostenfrei auf den Campingplatz in
Obole, nachdem wir den Platzwart nicht erreichen konnten. Die ersparte
Campingmaut wird selbstverständlich am gleichen Abend für das
leibliche Wohl eingesetzt und so nutzen wir am nächsten Morgen die
Gelegenheit und fahren hinter einem Geländewagen durch die
Lichtschranke, um so den kostenfreien Campingplatzaufenthalt
abzuschließen.
Nächster Morgen, Dienstag 16.08.2005, der Grenzübertritt nach Polen
gestaltete sich ausgesprochen unspektakulär, allerdings ist die als
durchgehend zweispurig eingezeichneten Autobahn im überwiegenden nur
einspurig befahrbar und zum Teil auch noch durch alte Platten ersetzt,
dies gilt namentlich für die Ortsumfahrungen. Die Betonplatten stehen
dabei zum Teil zu 10 cm hoch und 30 cm auseinander, was gerade für die
Motorradreifen doch eine erhebliche Belastung darstellt. So ziehen wir
durch Polen über Warschau, Gliwice, Katowitz und hatten uns eigentlich
vorgenommen das Konzentrationslager Auschwitz II / Birkenau zu
besichtigen.
Die Straßenverhältnisse, wie auch das Verkehrsaufkommen sind jedoch so
dicht, dass wir deutlich länger brauchen und letztendlich von einem
Besuch Abstand nehmen.
Zudem sehen Städte und Umgebung ab Krakau aus, als sei der Krieg eben
erst beendet worden. Die Straßenführung geht durch so finsterne
Stadtviertel, dass wir froh sind wieder das offene Land zu erreichen.
Die Beschilderung wird zunehmend schlechter, so dass wir uns in der
Nähe von Krakau letztendlich recht gründlich verfahren. Erst ein
hilfsbereiter älterer Pole mit rudimentären Deutschkenntnissen hilft
uns auf den richtigen Weg zurück und kommt noch mit einer Landkarte
hinterher gerannt die er uns schenkt und die uns letztendlich wieder
auf den richtigen Weg führt.
Am späten Nachmittag setzt so heftiger Regen ein, dass wir uns
entschließen die Nacht in einem Hotel zu verbringen. Die Rezeption
teilt uns zwar mehrfach mit, dass die gesamte Nacht die Security
anwesend sei, gleichwohl ketten wir die Motorräder so eng als möglich
aneinander. Die Übernachtung soll – schwarz – 80,00 Euro kosten, das
Hotel ist annehmbar und an der Bar wird frischgezapftes Bier verkauft.
Da am nächsten Morgen die Bedienung gewechselt hat, werden uns die
Getränke auch nicht gesondert in Rechnung gestellt, so dass sich die
Übernachtungskosten deutlich gesenkt haben;-).

Es ist Mittwoch, der 17.08.2005 und wir
erreichen die Grenze zur Ukraine. Bereits deutlich vor den
eigentlichen Grenzanlagen steht eine Ampelanlage auf rot. Davor eine
zum Glück noch relativ kleine Schlange einfacher und alter Fahrzeuge,
aber auch westliche Luxusschlitten. Augenscheinlich weiß keiner so
recht wie er sich zu verhalten hat, bis ich mich entschließe dem
Grenzposten meinen deutschen Reisepass zu zeigen und gemeinsam mit
Andreas vorfahren darf.
Gerade mal um die ersten Baracken gebogen, stehen wir schon in einem
Riesen Stau allein schon für die Ausreise aus Polen. Die Fahrzeuge
sind zum Teil so schrottig und alt, dass sie jeweils mit Hilfe der
anderen Schlange stehenden langsam über die Grenze geschoben werden
müssen.
Dabei scheut sich auch keiner davor sich in auch noch so kleine Lücken
hinein zu drängen wobei angestrengt nach vorne geschaut wird, nach dem
Motto, woran ich vorbei bin, geht mich nichts mehr an.
Als Beweis unserer schnellen Anpassungsfähigkeit haben wir uns
entsprechend auch rasch vorgedrängelt und mit dümmlicher Miene am
Schalter angestellt. Zur Zeit ist für die Einreise in die Ukraine kein
Visum erforderlich, weshalb die Grenzformalitäten auch relativ zügig
abgewickelt werden. Der Grenzbeamte hat jedoch bedauerlicherweise
überhaupt keine Ahnung von seiner Computertastatur und dübelt mit
wehendem Finger über die Buchstaben um gelegentlich mal einen
einzutippen.
Darüber hinaus ist er nicht in der Lage das Einreisedokument an der
dafür vorgesehen Linie zu teilen und fordert mich mit einem barschen „
Schreiben" auf, das von ihm soeben zerrissene Dokument erneut
auszufüllen. Ok, mach ich glatt, denn ich will ja was.

Dann aber, nach kaum 2 Stunden, sind wir in der
Ukraine die hinsichtlich der Straßenverhältnisse und Landschaft
vollumfänglich unseren Erwartungen entspricht. Die erste größere Stadt
ist Lemberg, wo wir auch, auf die Erfahrungen auf die Russlandtour
zurückgreifend, sofort dafür sorgen genügend Landeswährung
umzutauschen. Lemberg ist eine auf steilem hügligen Gelände gelegene
Stadt, in welcher der Personennahverkehr im überwiegenden durch
Straßenbahn erfolgt. Wir waren zunächst nicht davon ausgegangen das
diese kreuz und quer verlaufenden, durch Pflastersteine gehaltenen
Schienen überhaupt noch dem Transport dienen und sind erstaunt, als
wir plötzlich inmitten von Menschentrauben landen die aus unvermutet
auftauchenden Straßenbahnen heraus strömen. Die Unterschiede zwischen
den Pflastersteinen und Schienen betragen zum Teil 20 cm, auf weiten
Strecken fehlt das Pflaster ganz, so dass sich die Fahrt durch die
Innenstadt als wahre Crosstour gestaltet ( toll ).
Im Einkaufszentrum von Lemberg, dass inmitten der
sonst düsteren und kargen Landschaft eher wie eine buntbeleuchtete
Kirmesveranstaltung wirkt, decken wir uns zunächst mit ortsüblichen
Lebensmitteln – Kaviar, Lachs, Krabbencreme, Pivo, Sekt und Brot - ein
und fahren weiter auf unserer Strecke Richtung Odessa.
Eigentlich hatten wir vor in Richtung Chotyn abzubiegen, können jedoch
keinen Abzweig finden. Es hat den Anschein, als ob nur Feldwege von
der Hauptstrecke abzweigen würden und so wird es langsam dunkel, bis
wir uns entschließen das Zelt einfach auf einer Wiese nahe der Straße
aufzuschlagen. Kaum ist das Zelt aufgeschlagen, naht eine
Gewitterfront heran. Ein solches Gewitter haben wir noch nie erlebt!
Das Gewitter hält fast 14 Stunden an und kreist die ganze Nacht mehr
oder weniger dicht über unserer Lagerstätte. Zum Teil schlagen Nachts
Blitze in einer geschätzten Entfernung von etwa 300 Metern ein, mit
einer Gewalt wie ich sie noch in keinem Land erlebt habe.
Aber getreu dem Motto, wenn der Blitz mich
trifft, merk ich es eh nicht mehr und werde ich morgen wach, ist
nichts passiert, nehme ich meine Ohrenstopsel und schlafe tief und
ruhig. Andreas wird deutlich vor mir wach und überbrückt den noch
anhaltenden Regen mit Studien über die zwischenzeitlich in seinem Zelt
ansässige Tierwelt.
In einer Regenpause machen wir uns wieder auf den Weg und finden
tatsächlich auch den Abzweig nach Chotyn, wobei tatsächlich die von
der Hauptstraße abzweigenden Feldwege die Verbindungsstraßen sind. Es
drängt sich der Eindruck auf, als ob ganz bewusst Hinweisschilder von
der Hauptstraße entfernt worden sind, den nachdem wir erst einmal
20-30 km weit im Innland sind, sind die Straßen eigentlich wieder
recht gut ausgeschildert. Da wir zudem eine ukrainische Landkarte
haben, sind wir auch in der Lage die Ortsschilder zu entziffern.
In Chotyn angekommen werden wir zunächst darauf aufmerksam gemacht,
dass der von uns eingeschlagenen Weg gesperrt ist und die Weiterfahrt
unweigerlich mit einer Inhaftierung enden wird. Bereits an dieser
Stelle ist festzuhalten, dass touristische Attraktivitäten in der
Ukraine noch wenig erschlossen sind und sich für den Motorradfahrer,
der Wert darauf legt seine Ausrüstung vollständig zu erhalten auch
nicht anbieten, da er sein Gefährt regelmäßig in größeren
Menschentrauben wieder findet.
In Chotyn erhalten wir an der Tankstelle glücklicherweise
Unterstützung und bekommen so zunächst einmal englischsprachige
Informationen über unsere Fährverbindung. Aus irgendeinem Grunde
können unsere eigene Mobilfunktelefone die Ukferries nicht erreichen,
über das Gesichts des Tankwarts zieht ein Grinsen, nachdem er zum 7.
mal hört wie ich in Englisch die gesamte Geschichte erzähle. Ein
Entgelt wird nicht gefordert, es ist dies eine Freundlichkeit die sich
in der Ukraine, soweit wir dort Hilfe benötigten, auch durchgehend
fortgesetzt hat.
Die weitere Fahrt gestaltet sich zunächst recht unspektakulär, wobei
wir abseits von der Hauptstraße auch kein Problem haben eine
vermeintlich einsame Lagerstätte zu finden. Dabei ist die Tarnung
wegen der Leuchtkraft von Andreas Zelt – pink !!!! - als
ausgesprochen problematisch zu bewerten.

Die Nacht ist dann wieder von
obligatorischen Gewittern geprägt, diesmal zum Glück etwas weiter
entfernt. Dass das Gewitter wohl ausgesprochen intensiv getobt hat,
zeigt sich im weiteren Verlauf der Straße, wo zum Teil ältere dicke
Bäume schlichtweg abgeknickt sind.

Freitag den 19.08.2005 erreichen wir Odessa. Den ersten Gang
meines Getriebes kriege ich mittlerweile kaum noch rein – das hatte
ich doch schon vor mehr als einem Jahr, warum hab´ ich das nicht
direkt repariert - , nur im Stand, dann aber versagt nach kürzester
Zeit die Batterie, so dass Ankicken angesagt ist.
Wir haben zwar mittlerweile die Anschrift und Adresse des Hotels, aber
augenscheinlich sind wir nicht in der Lage diese ordentlich
auszusprechen und werden in der Innenstadt von Odessa hin und her
geschickt. Dann endlich kann ich vor einem Klimaanlagenhandel einen
Geschäftmann ansprechen der mich auch sofort herein bittet. In
intensiver, Mitarbeiterzeit bindender Tätigkeit wird die Adresse des
Hotels heraus gesucht, ein telefonischer Kontakt hergestellt und dann
fährt der Chef auch noch persönlich vor uns her bis zum Hotel – zum
Dank habe ich natürlich eine Einladung für zu Hause ausgesprochen,
erst letztens war auf diesem Wege Besuch aus Moskau da.
Die Hotelanlage ist ein Knaller. Sie befindet sich in einem
abgeschirmten, gesicherten Bereich unmittelbar an der Steilküste von
Odessa mit Blick auf das Schwarze Meer. Die Ausstattung mit
Klimaanlage und sonstigem Gedöns entspricht wstlichen Massstäben. Wir
können nicht nur duschen, sondern Andreas kann auch seine
durchweichten, leicht angeschimmelten Discohosen – o.k. sind die
Packtaschen wohl doch nicht ganz dicht – zum Trocknen ausbreiten.

Wir gönnen uns dann erst mal eine Taxifahrt zur City, dass kann sich nicht jeder leisten, weshalb die Schwarzfahrer-kultur auch ausgeprägt ist;-).
Vorrangig wollen wir erst aml den Weg zum
Fährhafen und der Innenstadt erkunden und unsere Ausrüstung und
Verpflegung ergänzen. Wenn es eins in Odessa gibt, dann ist das Essen
und Trinken und das auch noch zu ausgesprochen moderaten Preisen. Da
wir, wie schon dargelegt, der Landessprache nicht so richtig doll
mächtig sind, bekommen wir aber meistens nur Pivo und Bortsch,
schmeckt aber beides ausgezeichnet.
Nach einer kurzen Spritztour nach Odessa City sitzen wir dann Abends
auf der Terrasse – das Restaurant hat übrigens eine englische
Übersetzung der Speisekarte, dafür aber keine Landeskost -und
bewundern die Vollmondnacht am Schwarzen Meer - schade, dass Andreas
nicht blond und vollbusig ist;-).
Samstag morgen, unsere Ausrüstung ist mittlerweile angetrocknet, was
angesichts der einsetzenden Sintflut eigentlich verlorene Liebesmühe
war, machen wir uns auf den Weg zum Hafen, da wir dort ab 10 Uhr morgens

( Sieh an, TDM und BMW können schwimmen )
Die Einfahrt zum Zivilhafen in Odessa zu finden gestaltet sich
ausgesprochen schwierig, an der Zufahrt zum Zollhafen gibt es schon
Krach mit der dortigen Wache und die Ohrfeigen hängen bereits in der
Luft. Vorsorglich haben wir jedoch davon Abstand genommen den
Uniformträger direkt in den Boden zu stampfen und finden, wie immer,
Hilfe die uns den Weg über eine Rampe zum eigentlichen Fährhafen zeigt.

einziges rostiges Wrack im Hafen erkennen, wobei sich bei näheren Hinschauen herausstellt, dass es sich tatsächlich um die Caledonia, unser Fährschiff handelt. Es ist mittlerweile 10:05 Uhr und wir eilen zum Ticketschhalter. Bereits der Eingang in die Halle wird uns verwehrt, mit der Begründung, dass der Ticketschalter erst um 10 Uhr öffne. Der Hinweis darauf, das es bereits 10:15 Uhr sei, wird schlichtweg ignoriert und ein Vorbeikommen ist nicht möglich. Letztendlich haben wir auch diese Problem durch schlichtes Warten geregelt, in der Abfertigungshalle findet sich dann nicht einmal eine Nummerierung auf den Türen und nur einem hundeführenden Zöllner ist es zu verdanken, dass wir alle Zollkontrollen passieren können. So müssen wir zunächst mit unserem gesamten Gepäck durch den Zoll zur Ausreise. Am anderen Ende des Ausreiseschalters stehen unsere Motorräder, die wir zuvor über das Hafengelände dorthin fahren durften. Selbstverständlich haben wir die Satteltaschen nicht abgemacht, die sind aber dann auch nicht kontrolliert worden. Dann müssen die Motorräder auf die Fähre, wo der Cargo-Officer den Fährpreis in bar und Doller kassiert, müssig zu erwähnen, dass der ausgehändigte Betrag nicht dem entspricht, was letztendlich in das Buch eingetragen wird. Die Kalkulation für die Fährpreise ist kaum nachvollziehbar, im Ergebnis ist die von uns gebuchte Kabine deutlich günstiger als der Transport der Motorräder, wobei sich im Laderaum lediglich unsere beiden Motorräder sowie ein Auto befindet. Die Kabine ist einfach eingerichtet, verfügt aber zumindest über eine eigene Toilette. Die gleichfalls gebuchte Dusche suchen wir zunächst vergeblich, bis wir erkennen, dass der gesamte Toilettenraum ausgefliest ist und vollumfänglich als Dusche genutzt werden kann. Die Toilette funktioniert wohl als Unterdruckmodell, wobei es ohrenbetäubende, Turbinen gleiches Heulen fünf Minuten andauert. Bedauerlicherweise hat in diesem Augenblick das Mikrofon von Andreas Fotoapparat versagt, so dass hierüber keine auditive Dokumentation besteht.
insbesondere durch den defekten Stabilisator geprägt. Selbst bei
einiger- maßen ruhiger See und Sonnenschein schaukelt die Fähre mehrere
Meter rauf und runter.
Den Bauch voll Kapusta und Pivo ist das selbstverständlich nicht so
angenehm, die allerorten hängenden Tüten mussten wir jedoch – ok. gilt
eigentlich eher für mich, ich kann nicht mal mit der Fähre über den
Rhein fahren - zum Glück ebenfalls nicht benutzten.

Mitreisenden Liegestuhlsurfen, die glatten Kunststoffkufen der Leigen
haben auf dem gleichfalls spiegelglatten Stahldeck schlichtweg keinen
Halt. Ein Mitreisender, der wohl auf seiner Hochzeitsreise befindlich
ist, versucht sich in gleicher Kunst und verlässt das Schlachtfeld mit
erheblichen Blessuren, nachdem er an einer herausstehenden rostigen
Fahnenhalterung aufgeschlagen ist.

spektakuläres zu bemerken, außer vielleicht der Umstand das bereits gegen Mittag des zweiten Tages die Biervorräte schlichtweg aufgebraucht worden sind. Die Mahlzeiten sind grundsätzlich ausreichend, wobei wir selbstverständlich unsererseits einen eigenen Vorrat an Bier, Brot, Wurst und Kaviar mit uns führen, so dass wir den Weg nach Istanbul im wesentlichen als Erholung verfolgen können. Darüber hinaus ist es ausgesprochen spannend englischsprachige Filme mit russischen Untertiteln anzuschauen. Die Einfahrt in den Bosporus und der erste Blick auf Istanbul entschädigt für die doch ausgesprochen schaukelige Anfahrt mit der Fähre. Zur Begrüßung strahlender Sonnenschein und der Fährhafen selber liegt direkt am Goldenen Horn.
Ich denke, dass man kaum irgendwo in der Stadt so einen unverbauten und direkten Ausblick auf die Altstadt und die dortigen Bauwerke hat. So schön der Ausblick auch ist, eigentlich hatte wir beabsichtigt relativ zügig einzureisen, dies scheitert jedoch bedauerlicherweise daran, dass einer der Mitreisenden auf seiner Versicherungskarte keinen Vermerk für den Versicherungsschutz in der Türkei hat. Zu allem Überfluss erfahren wir dies auch erst nach der Mittagspause, so dass die Zeit allmählich doch recht knapp wird, da wir eigentlich keine Lust haben im Hafen zu übernachten. Letztendlich kann jedoch ein motivierter Mitarbeiter der AXA-Onya für sage und schreibe 4,79 € - das habe ich später auf dem Auszug gesehen - einen türkischen Versicherungs-schutz für das Motorrad von Andreas einrichten und so können wir endlich das Hafengelände verlassen. Der Weg zur Hagia Sofia, dem von mir seit Jahrzehnten ersehnten Reiseziel kann man vom Hafen aus leicht finden, wobei eigentlich auch die Verkehrsverhältnisse zumindest auf dem Hinweg akzeptabel sind.
Nach einer kurzen Besichtigung - warum auch reingehen, wir sind zum Motorrad fahren hier - geht es dann durch das Gewühl der Altstadt in Richtung Bosporus über beide Brücken um einmal den Weg nach Asien zu finden. Wird fortgesetzt.