Reisebericht Pyrenäen 2006
Pyrenäen 2006

Es kommt, wie es kommen muss, erneut klingelt das Handy, diesmal teilt
Sascha mit, dass sein Vater, der während der Abwesenheit auf die
Katzen aufpassen soll, gerade erst das Feld geräumt hat und Sascha
entsprechend unmittelbar zu Martin fährt.
Lange Rede kurzer Sinn, tatsächlich schaffen wir noch einigermaßen
pünktlich die Abfahrt und zutteln, zum ersten mal in der
traditionsreichen Geschichte von Guter-Mann-Tours navigationsgeleitet,
in Richtung Neu Isenburg. Mittlerweile ist es uns auch nicht mehr
peinlich zuzugeben, dass wir die Anfahrt zu unseren Motorradtouren
sowohl auf Hin- wie auch Rückfahrt mit dem Autoreisezug absolvieren.
Gerade die Anfahrt in Richtung Pyrenäen würde aller Wahrscheinlichkeit
nach ebensoviel kosten wie der Autoreisezug. Zudem haben wir im
vergangenen Jahr die Erfahrung gemacht, dass der Autoreisezug morgens
um sechs Uhr in Neu Isenburg anlandet, für die Strecke nach Düsseldorf
dann aber fast 4 ½ Stunden benötigt. An- und Abfahrt in Neu Isenburg
bedeutet entsprechend fast den Verlust eines kompletten Arbeits- oder
je nach Betrachtung Urlaubstages.

Die Abfertigung und Verladung in Neuisenburg ist so unproblematisch,
wie wir es bislang noch nicht erlebt haben. Autowaggons, wie auch
Personenwagen, werden nahezu unmittelbar nebeneinander beladen, so
dass die lästige Rennerei mit Gepäck entfällt. Sowohl auf der Fahrt
nach Frankreich, wie auch später zurück, dürfen wir diesmal die großen
Packrollen auf den Motorrädern lassen, was, ich darf insoweit an die
Gründung von Guter-Mann-Tours erinnern, zumindest aus Frankreich
heraus bislang nicht ohne weiteres selbstverständlich war.
Die Wartezeit bis zur Abfahrt des Zuges verbringen wir damit das
Reisegepäck systematisch zu erleichtern, was insbesondere bedeutet,
dass zunächst die Dosenbiervorräte vernichtet werden. Es folgt sodann
der 5-Liter Kanister Weißwein, für den Sascha wohl nicht nur
ordentlich in einem ortsansässigen Weindepot hingelegt hat, sondern
den er auch weisungsgemäß zwei Tage im Kühlschrank zum Durchkühlen
aufbewahrt hat. Der Wein ist köstlich und süffig und so gestaltet sich
der erste Teil der Fahrt bis zum Einbruch der Dämmerung ausgesprochen
fröhlich.
Obwohl wir, wie vorbeschrieben, uns wochenlang die Tageszahlen bis zur
Abfahrt vorgesungen haben, haben wir es irgendwie nicht geschafft, uns
vorher eine Reiseroute auszuarbeiten, auch das Vorhaben, dies während
der Anfahrt zu bewerkstelligen bleibt eigentlich ohne Erfolg.
Augenscheinlich ist die so getätigte Vorgehensweise der Gruppendynamik
nicht abträglich, denn wie wir mitbekommen streitet sich die Besatzung
des Nachbarabteils doch recht heftig und kann sich wohl auch am
nächsten Morgen noch nicht entscheiden, welche Route denn
eingeschlagen werden soll.
Nach dem ersten Liter Weißwein, stelle ich die Behauptung auf, dass
der Zug nach Westen fährt, wobei Martin der Auffassung ist, dass der
Zug dann rückwärts fahren würde. Seit dieser Nacht wissen wir auch,
dass Saarbrücken nicht südlich von Frankfurt liegt, sondern der Zug
tatsächlich über Saarbrücken nach Frankreich gefahren ist.
So angenehm und unproblematisch die Abreise in Neuisenburg ist, so
hektisch gestaltet sich die ganze Angelegenheit in Narbonne. Abgesehen
davon, dass es hier am frühen Vormittag schon brüllend heiß ist, muss
vom Bahnhof für die Passagiere ein Bus-Shuttle zur Fahrzeugentladung
unterhalten werden. Die ersten beiden Busse kommen auch durch die von
einem parkenden PKW verursachte Engstelle hindurch, der von uns
genutzte Busfahrer entscheidet sich hingegen zu warten. Entgegen der
leicht scheppernden Stereoanlage, die in mir unverständlichem
französischem Kauderwelsch vor sich hinbrüllt, ist die Klimaanlage des
Busses defekt, so dass bereits innerhalb kürzester Zeit das Deodorant
der Mitreisenden im Bus zu versagen beginnt und bereits erste
teutonische Überlegungen dazu angestellt werden, welche Befähigungen
französische Busfahrer haben sollen. Auch unser Vorschlag, den in der
Abfahrtslinie stehenden Kleinwagen einfach zur Seite zu heben wird
durch die Reiseleitung nicht akzeptiert.
Die endgültige Abfahrt aus Narbonne wird dann auch noch etwas
verzögert, weil sich ein betagter Mitreisender auf den von Sascha
mitgeführten Komfortsessel platziert hat und nicht einsehen will, dass
dieser im Eigentum eines Motorradfahrers stehen kann.

Aus irgendeinem Grunde und ohne größere Absprache haben wir uns als
erstes Ziel Carcasonne in Angriff genommen.
Auf dem Weg dorthin schwappt mehrfach die durch den übermäßigen
Weißweingenuß - der Kanister ist anscheinend über Nacht verdampft
(Anm. Andrea :hahaha) - hoch und führt dazu, dass wir ernsthafte
Überlegungen anstellen, ob es sinnvoller ist sich bei geschlossenem
oder geöffnetem Visier in den Helm zu übergeben. Jedenfalls aber
lautet der einhellige Schwur: Nie wieder Alkohol, zumindest aber
keinen Weißwein mehr, zu sich nehmen zu wollen.
Die Festungsanlage Carcasonne ist ein Hammer. Nachdem wir diese
umrundet haben, weil wir - der Rheinländer an sich ist jet kniestig -
die Kosten für einen Parkplatz sparen wollten, haben wir unterhalb im
Ort die Möglichkeit von einem kleineren Parkplatz, den vormaligen
Fußweg zur Festung zu nutzen. Wie auch in den Jahren zuvor zwei unten
zwei oben mache ich mich mit Sascha auf, die Festung zu erobern.
Eingehüllt in die schwarze Motorradkombi bei sängender Hitze kein
leichtes Unterfangen. Um so ernüchternder ist dann auch noch, dass die
Anlage bereits komplett fest in touristischer Hand ist. Das Gewühle
ist so dicht, dass es kaum möglich ist sich ohne ständigen
Körperkontakt durchzuführen, so dass wir auch recht zügig wieder das
Weite suchen.
Wie wir letztendlich unsere Route ausgefüllt haben, kann ich heute
nicht mehr sagen, als grobes Ziel hatten wir uns auf jeden Fall
Ax-Les-Thermes gesetzt und fahren über Limoux Richtung Axat. Von hier
aus geht es entlang der Aude entlang eines malerischen Tals in
Richtung Ax-Les-Thermes, das für die heißen Quellen bekannt ist.
Da wir auf Höhe Rudomme gezwungen sind die Aude wegen einer Baustelle
zu verlassen und es auch bereits recht spät ist, beschließen wir uns
den nächsten Campingplatz zu suchen.

Auch der Campingplatz entpuppt sich, wie die gesamte
Fahrt bisher als echtes Kleinod. Bedauerlicherweise haben wir weder
die Adresse noch sonstige Daten behalten, was unter Umständen auch
daran liegen kann, dass wir den Campingplatz bar bezahlt hatten und
entsprechend keine Quittung erhielten. Wir sind aber bemüht, im
Versprechen an den Platzwart diesen ausfindig zu machen und für seine
vortrefflichen Dienste weiter zu verbreiten.
Was wir allerdings nicht bedacht haben ist, dass die Pyrenäen eben ein
Hochgebirge sind und wir auf weit über 1600 m übernachten. Ich mache
mir am nächsten Morgen zunächst Gedanken darüber, ob ich
altersbedingte Durchblutungsstörungen habe, bis ich die Finger von
Martin erblicke.
Geteiltes Leid ist halbes Leid und spätestens, als wir gute zwei
Stunden später die Füße in den heißen Quellen baden ist die Eiseskälte
zunächst vergessen.
Bei Kaffee und Croissant machen wir uns Gedanken über den weiteren
Streckenverlauf.

Andorra ist aber selbstverständlich
ein Muss, wobei wir in einem der mitgeführten Reiseführer eine
Anmerkung finden, dass man von Pal in Andorra über eine unbefestigte
Strecke nach Tor in Spanien gelangen kann. Und so fahren wir entlang
der Pic D'Auriol über den Pass de la Casa (2091 m) nach Andorra. Hier
trennen sich in altbewährter Manier zwei links zwei rechts wieder
unsere Wege.

Während ich mich mit Martin über die
unbefestigte Strecke Richtung Llavorsi aufmache fahren Sascha und
Klaus über die Landstraße Via Lasdu, Adrall entlang der N260 wohl im
späteren N13 zum Treffpunkt.
Der Querverbinder zwischen Andorra und Spanien ist ein echtes
Highlight. In Andorra ist die Strecke noch durchgehend asphaltiert um
so dann auf spanischer Seite in einem zerschossenen Grenzschild zu
enden.
Die Abfahrt selber geht relativ unproblematisch vonstatten, und auch
die vom Verfasser des Reiseführers beschriebene Flussdurchquerung ist
unproblematisch durchzuführen.

Auf halber Strecke kommen uns bereits Sascha und Klaus entgegen und
wir beschließen, ganz unter dem Motto „Bloß keinen Stress" bereits
kurz nach Llavorsi einen Campingplatz aufzusuchen.
Hier machen wir die Erfahrung, dass es insgesamt deutlich günstiger
ist auf der französischen Seite zu übernachten. Bereits unabhängig
davon, dass die französischen Campingplätze bei deutlich niedrigeren
Preisen, bis zu einem Drittel, auch deutlich besser ausgestattet sind,
ist auch die Versorgungslage wesentlich besser. In Llavorsi hat
lediglich noch ein kleiner Supermarkt auf, der uns, wie wir leider
erst nach Ladenschluss und nach dem Auspacken feststellen grünliches
Fleisch verkauft. Zum Glück haben wir bereits zuvor genügend
Biervorräte eingekauft, da sich die Campingplatzchefin nicht davor
scheut für eine 0,2 l Flasche Bier 1,70 € zu verlangen.
Zum Ausgleich dafür haben wir auch in gehörigem Umfang den uns zur
Verfügung gestellten Brennholzvorrat genutzt.

nächsten Tag folgen wir der N13 - im Späteren N28 - zunächst über den
Port De La Bonaigoa (2072 m) bis nach Vielha.

Weiter geht die Strecke über Bossost nach
Bagneres De Lochon. Im weiteren Verlauf fahren wir, nachdem wir Arreau
passiert haben über den Col D’Aspin nach Saint Mere.

hier aus startet die Strecke über dem berühmten Col Du Tourmalet, das
Highlight einer jeden Tour de France mit 2114 m ( ja wieviel denn nun
?).
Augenfällig ist auf dem gesamten bisherigen Tourverlauf, dass die
Strecken im überwiegenden gut ausgebaut sind, gleichwohl aber bei
weitem nicht so überlaufen sind wie die Alpen.

In Luz kaufen wir die Vorräte für den
Abend ein und machen uns auf in Richtung Gavarnier, einem wohl
weltberühmten Bergkessel. Bereits abends müssen wir eine Plane gegen
den Wind aufstellen, die Nacht ist dann im wahrsten Sinne
Eise -
Unsere Versuche am nächsten Morgen im Wege Offroad die französische
Seite zu erreichen scheitern daran, dass wir zunächst den falschen
Abzweig erwischen.

Dabei ist hervorzuheben, dass die
Geländetauglichkeit der von Klaus geführten CB 500 doch bewundernswert
ist.
Nach Rückkehr in Gavarnier besteht doch kein Bedürfnis mehr die soeben
auf Schotter erworbenen Fertigkeiten zu verbessern, so dass wir uns
entschließen via Landstraße nach Lourdes zu fahren (an der Überquerung
der Gavarnier nach Spanien waren wir unter anderem auch dadurch
gehindert, dass auf der richtigen Passstrecke eine vollkommene Sperre
für motorisierte Fahrzeuge ausgesprochen ist. Mit einer Gruppe von 4
Motorrädern, die zum Teil eben auch eigentlich nur straßentauglich
sind lohnt es sich entsprechend nicht den gegebenenfalls mit der
verbotswidrigen Nutzung eingehenden Ärger auf sich zu ziehen.( doch
weich geworden ?).)
Lourdes ist eine angenehme Überraschung, zumindest ist das
spätnachmittagliche Essen ganz ausgezeichnet und zudem auch noch
preiswert, so dass wir gestärkt wieder in Südrichtung über Argeles
Gazost Richtung Col Du Soulor und Col D’Aubisque
(1705 m) nach Laruns fahren. Eigentlich hatten wir vor den Sonntag
geruhsam ausklingen zu lassen, da wir aber anscheinend auf einer
Hauptstrecke in Richtung Spanien sind, finden wir auch keinen ruhigen
Campingplatz und müssen die N136 bis nach Biescas/Gavin durchfahren.
Der Campingplatz hat erwartungsgemäß wieder spanisches Preisniveau,
ist aber doch deutlich besser ausgestattet. Nach Vorlage der ersten
ADAC-Karte reduziert sich zudem der Preis auf 48,00 €, nach Erscheinen
der nächsten ADAC-Karte um weitere 4,00 €. Der Gesamtbetrag, der dann
gezahlt werden muss hat sich uns bis auf den heutigen Tag nicht
erschlossen, am nächsten Morgen gibt es entsprechend auch
Diskussionen, warum 4 Zelte, 4 Personen aber nur 2 Motorräder
eingebucht worden sind.

Wie wir abends so da sitzen, in die
Sonne schauen und ein Bierchen trinken, stellen wir fest, dass Morgen
bereits Montag ist und der Zug am Mittwoch abfahren soll. Bis jetzt
sind wir eigentlich mehr oder minder ziellos Richtung Westen gezuttelt
und müssten also zusehen – wir wollen unbedingt noch im Mittelmeer
baden – dass wir uns wieder Richtung Westen aufmachen. Ein erster
Blick in die Karte, wie auch ein Abgleich mit dem Navigationssystem
ergibt, dass es bis dorthin etwas über 500 km sein dürften, so dass
wir beschließen am nächsten Tag keine größeren Eskapaden mehr
anzustellen, sondern dem Verlauf der N260 soweit als möglich zu
folgen.
Um an dieser Stelle das Ergebnis vorweg zu nehmen, wir haben dann,
nachdem wir 320 km, für die wir einen ganzen Tag gebraucht haben,
abgefahren haben, festgestellt, dass unser Zug tatsächlich erst
Donnerstag Abend abfährt und wir mithin einen Tag länger Urlaub
hatten, als eigentlich ursprünglich eingerechnet.
Am nächsten Morgen müssen wir erst einmal das Geburtstagskind kräftig
hochleben lassen, Martin ist 38 Jahre alt geworden und darf als König
den Tag nach seinen Wünschen gestalten.
Auch wenn die N260 der Hauptverbinder Richtung Mittelmeer ist, ist die
Strecke gleichwohl auf weiten Teilen nicht sonderlich ausgebaut und
nach wie vor landschaftlich interessant und bietet nach meiner
Auffassung auch für denjenigen der nicht auf nur schemenhaft
asphaltierte oder gar geschotterte Strecken ausweichen will einen
fahrerischen Hochgenuss. Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich egal
auch bei welchen Alpentouren, so viele Kurven von unterschiedlichen
Schwierigkeitsgraden gefahren wäre, wie auf dieser Pyrenäen-Tour.

Und so vergeht der Tag bei sengender Hitze auf der
N260. Obgleich die anderen mir mittlerweile untersagt haben das Wort
Abkürzung in den Mund zu nehmen, gibt es noch einen kleinen Abstecher
zwischen Senterada über La Pobleta nach Gerri, auf diesem Wege vermag
man etwa 20 km zu sparen, wobei auch hier wiederum erstaunlich ist,
dass diese kleine eng geführte Straße durchgehend mit einen frischen
und griffigen Asphalt belegt ist.

Die Fahrerei ist so anstrengend, dass sich der eine
oder andere Teilnehmer hilflos spontanen Erschöpfungszuständen
ausgesetzt sieht oder dem nur durch einen Vitaminstoss entgegen wirken
kann.

Die Strecke wird erst wieder in
Poigcerda interessant – und die Mitfahrerer munter - als Martin einen
Carrefour entdeckt, in dem die Vorräte für das abendliche Lager
eingekauft werden müssen. Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Ort
Llivia, der sich durch seine Situation als Enklave hervortut. Auf die,
ich glaube kirchenrechtliche Geschichte, soll an dieser Stelle nicht
eingegangen werden, interessant ist jedenfalls, dass zu spanischen
Preisen getankt werden kann. Über Estevar geht nach Egat, wo wir einen
genialen Campingplatz mit einem unglaublichen Weitblick finden.

Urlaub haben als eigentlich angenommen, beschließen wir den nächsten
Tag sozusagen zur freien Verfügung zu stellen. Sascha plant eine
Gipfelerstürmung des auf der Rückseite des Campingplatzes gelegenen
Berges, während Klaus es vorzieht sich einen gigantischen Sonnenbrand
zuzuziehen (hat ersichtlich ja auch geklappt).

Martin und mich zieht es hingegen zu den kleinen, zum Teil auf den
Landkarten nicht mehr eingezeichneten Sträßchen und so gelangen wir in
der Umgebung von Sansa in der Nähe des Pic Te La Pelade.

Angesichts des Umstandes, dass das Motorradfahrer-aufkommen in den
Pyrenäen bei weitem noch nicht so groß ist, wie etwa in den
französischen Seealpen, könnte es auch sein, dass diese weit
gefächerte Spielwiese für Endurofahrer auch noch über Jahr hinweg
aufrecht erhalten bleibt.

Jedenfalls können wir uns jetzt auf diesem Weg etliche Stunden auf
gebirgigen Schotterstrecken austoben, bevor wir uns in einem
französischen Konsumtempel für das abendliche Gelage vorbereiten.
Am nächsten Morgen geht es in aller Ruhe gemächlich weiter über
Villefranche in Richtung Perpignan. Nachdem wir jetzt über Tage hinweg
Kehren und Kurven abgefahren haben soll der Urlaub doch in entspannter
Atmosphäre auf gerader Strecke am Mittelmeer enden. In Villefranche
gibt es noch einen kurzen Konsumflash, wobei man der Ehrenrettung
halber zugestehen muss, dass das Angebot an Taschenmessern in dem
Eisenwarenladen unglaublich ist. Der Besitzer hat dann auch, nachdem
er das Geschäft verlassen hatten, sofort die Rollläden runtergelassen,
da er augenscheinlich den in der Woche erwarteten Umsatz bereits
Mittwochs vormittags erledigt hatte.

Also o.k., Richtung Perpignan und dort finden wir in Sainte-Marie-Plage einen Campingplatz, bei dem unsere Zelte nur 20 m vom Strand entfernt sind. In meiner grenzenlosen Gier das Meer zu sehen, pflüge ich mit der BMW direkt in die Dünen, kann mich aber noch vor einem endgültigen Absturz retten, so dass mir das höhnische Gelächter der übrigen Strandgäste erspart bleibt. Der nächste Tag ist reine Formsache. Damit die Mitreisenden nicht zu sehr leiden, geht es noch mal unter die Dusche – wobei wir hinsichtlich der Waschungen gerne behilflich sind - und das letzte Paar frische Socken wird angegriffen. Die Fahrt nach Narbonne geht grundsätzlich rasch vonstatten, so dass wir eigentlich genügend Zeit hätten die Autoverladung aufzusuchen. Bedauerlicherweise überkommt uns jedoch wieder ein kollektiver Konsumflash, so dass wir wiederum auf den letzten Drücker an der Bahnverladung erscheinen und unsere Motorräder entsprechend auch als letzte auffahren. Doofe Bemerkungen über den Zustand meines Motorrades gibt es diesmal nicht, von der Farbgebung haben sich die anderen doch zwischenzeitlich angepasst. Die Wartezeit bis zur Abfahrt wollen wir noch mit einem kühlen frisch gezapften Bier verbringen. Der Kellner entpuppt sich bereits anfänglich als unangenehme Figur, der uns, entgegen der Wünsche, ausgesprochen große Biergläser serviert. Das alleine hätte uns sicherlich nicht gestört, hätten wir nicht bereits am Nachbartisch eine Diskussion über den abverlangten Preis mitbekommen. Es kommt wie es kommen muss, für vier Bier verlangt der Kellner vingt (20) Euro. Nur mit Mühe können wir Martin hindern dem angehenden Lustknaben das süffisante Grinsen an das Zäpfchen zu nageln, wir dürfen jedoch allen, die in der jüngeren Vergangenheit bei dem gleichen Gastwirt abgezogen worden sind versichern, dass dieser für die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit seiner Toiletten sicherlich mehr wird aufwenden müssen als ihm der Mehrerlös für das zu teuer verkaufte Bier eingebracht hat. Im übrigen war das Bier kühl und schmackhaft. Die Rückfahrt verläuft obligat unproblematisch, wobei wir irgendwann aufhören Maumau zu spielen, nachdem wir gegenseitig angefangen haben uns kräftig zu besch…. und vermeiden wollten, dass dies letztendlich auf das eigentlich gepflegte Klima schlägt. In Frankfurt Neuisenburg begrüßt uns morgens strahlender Sonnenschein, so dass auch einer geregelten Arbeitsaufnahme noch am frühen Vormittag nichts im Wege steht. Lediglich Sascha entscheidet sich doch noch nach Flensburg hoch zu fahren und verlässt uns kurz hinter Frankfurt um die A4 nach Kassel zu nehmen. Und, zu guter Letzt, das Telefon hat bereits wieder geklingelt und eine Stimme sang: " nur noch 340 Tage, nur noch 340 Tage" P.S. Die Zeit haben wir abgekürzt. Im Anschluss an den 60sten von Klaus geht es für ein paar Tage Richtung Luxembuorg, Frankreich, Vogesen und dann ist auch der neue Katalog der DB Autoreisezug da.