Reisebericht Nordkapp 1990

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Mit der Vespa an´s Nordkapp

Es ist Winter 1989, die Ausfahrten mit dem Roller beschränken sich wegen der aktuellen Witterung auf ein Minimum und der Glühwein auf dem Bonner Weihnachtsmarkt tut ein übriges um spinnerte Ideen aufkommen zu lassen. ein Vielzahl von kleineren und größeren Touren in die Alpen gemacht und fühlen uns nun zu Größerem berufen, Also, nach der obligtorischen Gotthardüberquerung mit der Vespa steht also jetzt das NORDKAPP an. Allein das Wort lässt das Gefühl schauriger Gischt und nebelumwobener Einsamkeit aufkommen - allerdings gibt es da noch zuvor die eine oder andere Kleinigkeit zu erledigen. Im Jahr 1990 wird mir Andrea das Ja-Wort geben, natürlich standesgemäß mit Vespa. Daher muss zunächst in sachkundiger Zweiradschmiede das passende Gerät geschaffen werden. Nach längerer Bauphase kann – unter Einbeziehung aller irgendwie greifbarer Ersatzteile der passende Roller, hier mit Heckflossen gebaut und an´s Laufen gebracht werden. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Gangolf für die Lackierarbeiten. endlich zum Traualtar führen.

Bedauerlicherweise habe ich dabei infolge logistischer Unstimmigkeiten vergessen zu erwähnen, dass kurze Zeit nach der Trauung die Reise zum Nordkapp ansteht. Noch nach nunmehr über 20 Jahren muss ich mir zu einem jeden Hochzeitstag anhören, dass ich die Hochzeitsreise nicht mit meiner angetrauten vollzogen hätte ;-). Aber gesagt getan, der Tag der Abfahrt steht an und in unserem jugendlichen Leichtsinn fahren wir spät Abends ab um die Fähre Rodby Puttgarden zu bekommen. Selbstverständlich ist mein Roller bestens präpariert. Sogar die Elektronik habe ich extra noch mit Silikon abgedichtet, da ich sonst immer wieder mal Aussetzer hatte. Es kommt wie es kommen muss, die Aussetzer bleiben und ich muss in der Nässe auf dem Rastplatz Schloss Röttgen – jaja, gerade mal 25 km gefahren – die erste Reparatur durchführen. In Folge verbleibt eine Missliebigkeit der Beleuchtung, womit ich den Rest der Nacht hinter Andi herfahren muss um überhaupt etwas zu sehen. Dafür haben die Handschuhe jetzt aber wegen der Silikonbeschichtung einen erhöhten Gripp.

Irgendwo im Norddeutschen finde ich auf der Autobahn eine Handtasche, beinhaltend ein paar hundert DM, Scheckkarten und Geheimzahlen. Da wir abergläubisch sind und auch noch in das Land der Trolle und Feen wollen geben wird die eigentlich willkommene Auffrischung der Reisekasse an der nächsten Polizeidienststelle ab, nicht ohne dort einem scharfen Verhör hinsichtlich der Vollständigkeit des Inhaltes unterzogen worden zu sein – klar, Mopedfahrer sind ja auch qua Genetik böse und unredlich. Na, egal, jedenfalls erreichen wir endlich die Fähre und landen Abend ins Schweden an. Leider haben wir uns die letzten zwei Regenstunden gegen die Kombi entschieden und müssen uns am nächsten Morgen in die immer noch triefend nassen Lderklamotten zwängen. Überhaupt ist es hier für Sommer nicht so richtig warm. Dafür entschädigt aber die grenzenlose Landschaft und nachdem wir am nächsten Morgen Enköpping passiert haben geht es auf nahezu menschenleeren Straßen in Richtung finnischer Meerbusen.

Also die Fahrerei ist fantastisch. Wir halten und auch an die überall präsente Begrenzung von 80 km, drohen doch für den Fall der Missachtung drakonische Straßen. Überhaupt herrscht keine Eile und die Mittsommernacht führt dazu, dass wir die Zeit ganz vergessen und zum Teil bis in die frühen Morgenstunden fahren. Ich habe meinen Roller – unter Verzicht auf überflüssige Luxusartikel wie Seife und Handtücher – im wesentlichen