Reisebericht Australien 1999

Nachdem die Motorradtour an den Bosporus für das Jahr 1999 wegen Wegfall des Mitreisenden gescheitert ist, habe ich mich kurzfristig entschieden über Quantas einen Flug nach Australien zu buchen. Die Jahreszeit ist, erstaunlicherweise ähnlich wie der Flug selber, günstig, die Flüge mit Quantas benötigen nur (;-)) 24 Stunden und in Sydney kann ich zur Zeit noch Unterstützung bei Therese unterkommen. Weiteren Support gibt’s auch gegebenenfalls über Martin, der aber allerdings weiter entfernt in Narrabri wohnt. Gesagt getan, die Einreiseformalitäten sind für Westeuropäer ausgesprochen einfach zu handhaben, mit der Erstellung des Tickets wird automatisch auch ein Einreisevisa beantragt und so kann ich Anfang Mai die Reise antreten. Andrea bringt mich, zusammen mit Alexander noch zum Bahnhof und so macht sich, als der Zug langsam in Richtung Frankfurt abdampft erst mal ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend breit. Die Zugfahrt gestaltet sich noch recht kurzweilig, freundlicherweise bin ich dann beim Einchecken auf eine der letzten Reihen gebucht worden, dort sind nur zwei Sitze nebeneinander und ergeben auf diesem Wege ein wenig mehr Schulterbreite. Der Flug an sich ist kurzweilig, bei Quantas werde nach wie vor Essen und Getränke völlig kostenfrei gereicht, wobei anscheinend auch der Alkoholgenuss nachgerade unlimitiert erfolgen kann. Die Strecke bis Bankok kann ich dann zum größten Teil auch hab ich dann auch verschlafen, bin aber wegen der ausgesprochen engen Sitzposition - die Touristenklasse heißt nicht umsonst Cattle-Class ( Viertransporter) - recht dankbar. Lange Rede kurzer Sinn, am nächsten Morgen komme ich kurz vor halb sieben am Flughafen in Sydney an, wo mich Theresa abholen soll. Nach dem Passieren der Passkontrolle kann ich die ersten grimmig schauenden australischen Gestalten erkennen, zum Glück stellt sich kurze Zeit später heraus, dass die grimmigeste Gestalt Anthony, der aktuelle Lebensabschnittsgefährte von Theresa ist. Da beide beruftätig sind, holen sie mich nur kurz vom Flughafen ab, setzen mich bei Theresa in der Wohnung ab und überlassen mich meinem Schicksal. Vollkommen übermüdet nehme ich mir die Fähre in die Innenstadt und erkunden zu Fuß den Hafen von Sydney und die Habourbridge. Das Motorrad kann ich erst am folgenden Tag abholen, insoweit sieht die australische Versicherung vor, dass zur Vermeindung von Unfallschäden aufgrund des jetlags mindestens eine Übernachtung vor Übergabe des Fahrzeuges im Land verbracht werden muss. Am Abend, die Müdigkeit ist immer noch nicht überwunden, zerren mich Anthony und Theresa durch die verschiedenen Billardhallen. Was ich zunächst als reinen Spaß verstehe, entpuppt sich näheren Hinsehen doch als ernsthafte Angelegenheit. Anthony verdient wohl zum Teil seinen Lebensunterhalt, zumindest die Schmankerl, durch Billardturniere und hat auch Theres hierzu animiert. Da naturgemäß relativ wenig Frauen in Sydney Billard spielen, kann Theresa an diesem Abend auch einen Preis mit nach Hause nehmen. Gelernt habe ich an diesem Abend aber vor allem, dass man in Australien gerade in Spielhallen sehr preiswert Essen und Trinken kann, da durch die Preisreduktion Spieler angelockt und bei Laune gehalten werden sollen. Am nächsten Morgen schnappe ich mir mein Gepäck und fahre von Parramatta Richtung Innenstadt um dort das Motorrad zu übernehmen. In diesem Zusammenhang mache ich dann erst mal richtig den Kontakt mit australischer Lässigkeit. Die Übergabe folgt ohne großes Brimborium, der Vermieter teilt mir allerdings mit, dass die Kupplung ein wenig hart sei. Ein wenig hart ist leicht bis mittelschwer untertrieben, das Ding läst sich eigentlich nur unter größter Bockigkeit bewegen und so muss ich dann mit doch gesteigerter Geschwindigkeit Sydney verlassen um das Kupplungsruckeln zu überwinden.
Durch die Blue Mountens geht meine Fahrt Lithgow,
wobei ich in den Blue Mountens feststelle muss, dass der Hinterreifen
anscheinend aus betonhartem Vollgummi besteht und kaum eine
ordentliche Kurvenlage zulässt. Über Cowra und Young fahre ich
Richtung Wagga Wagga, da geht es dann sowie so nur noch geradeaus,
dass es auf Kurvenlage eh nicht mehr so sehr ankommt. Bereits auf
dieser Strecke, die eigentlich noch relativ nah and der stark
bewohnten Küste ist, wird mir zum erstenmal so richtig bewusst wie
einsam die ganze Gegend doch ist und ein tiefes Gefühl der
Verlorenheit macht sich breit.
Zu allem Überfluss setze ich mir noch beim tanken irgendwann den
Hauptständer auf den Zeh und zermatsche diesen im Schuh recht
gründlich. Da außer mir noch andere Gestalten an der Tankstelle
stehen, verkneife ich mir den Schmerz und packe den Zeh
vorsichtshalber erst Abends aus. O.k. der Zeh sieht **** aus und
hat Änhlichkeit mit den wabbeligen gegrillten Hähnchenteieln die ich
mir zu Abend besorgt habe.
Zu allem Überfluss stelle ich bei der Wartung des Motorrades auch noch
fest, dass der Tacho außer Funktion ist und der Sicherungssplint des
Kettenschlosses schlichtweg fehlt. Der Vermieter ist
selbstverständlich zu dieser Zeit nicht mehr zu erreichen, so dass ich
am nächsten Morgen die Hilfe einer ortsnahen Werkstatt annehmen muss.
Diese haben bedauerlicherweise auch nicht das passende Ersatzteil,
können mir aber für einen der folgenden Tagen das Ersatzteil nach
Mildura bestellen. Das alles geht kostenfrei von statten, no worries
man.
Mit mulmigem Gefühl und in der Hoffnung, dass die Kette halten wird
mache ich mich auf den Weg nach Hay entlang am Murrumbidgee River. Auf
dieser Strecke liegen die einzelnen Ortschaften zum Teil schon
zwischen 175 und 200 Kilometer auseinander – dazwischen ist
nichts!!! - und auch der Begriff Highway bekommt hier eine ganz andere
Dimension.
Üblicherweis handelt es sich dabei in dieser Gegend nur noch um eine
mehr oder minder in die Landschaft reinasphaltierte Piste, auf der es
heißt rechtzeitig auszuweichen wenn ein Roadtrain entgegenkommt. Nach
einiger Zeit verstehe ich auch, dass Floodway kleine Versenkungen in
der Straße sind die im Falle von heftigen Regenfällen verhindern
sollen, dass die Straße überflutet wird, jetzt aber regelmässig zu
mehr oder minder weiten Sprüngen führt wenn ich wieder so ein Ding
übersehe.
Relativ früh erreiche ich Mildura, wobei ich bereits am gestrigen
Abend festgestellt habe, dass es Abends gegen halb fünf so fast
stockdunkel ist. Auf dem Campingplatz lerne ich zwei Wanderarbeiter
kennen, Installateure, die bei einbrechenden Dunkelheit anfangen ihren
Wohnwagen mit dem Gasherd zu heizen.

In punkto Trinkkultur sind die
Australier uns jedenfalls deutlich überlegen. So fährt man in den
Bottleshop – Bottleshop drive trough - öffnet den Tankrucksack
des Motorrades, der Verkäufer greift tief in das Crasheis und zieht
eiskaltes Bier heraus.

nächsten Morgen soll es nach Broken Hill gehen, die Strecke ist schon
alleine interessant, weil es dort nur auf halber Strecke eine einzige
Tankstelle gibt, von der nicht einmal bekannt ist, ob sie ständig
geöffnet hat. Die Landschaft ist so einsam und eintönig, dass jeder
der entgegenkommt grüßt, an diesem Tag sind es immerhin zwei. Auf
halber Strecke treffe ich zwei junge Australierinnen denen das Auto
ausgefallen ist, trotz Landeszugehörigkeit sind sie ohne Wasservorrat
unterwegs und die Temperaturen nähern sich allmählich der 40 C°
Grenze.
Ich gebe auf der Tankstelle, die glücklicherweise offen hat, Bescheid
und bekomme den ersten Anschiss, da ich mir nicht den Typ des Wagens
gemerkt habe und entsprechend die Ersatzteile nicht mitgenommen werden
können.
Lästig hier vor Ort sind die Fliegen, gegen die die Australier sich
kleine Korkstückchen an Fäden an die Hüte gebunden haben, sieht zwar
reichlich behämmert aus, verhindert aber das diese kleinen widerlichen
Fliegen in Mund, Nase, Ohren und sonstige Körperritzen eindringen.
Die Strecke von Mildura nach Broken Hill ist zwar ausgesprochen
einsam, dafür habe ich aber zum ersten mal Emus und Kängurus in freier
Wildbahn gesehen, aber die knapp 400 km sind eben auch ziemlich
schnell absolviert und so komme ich schon am frühen Nachmittag in
Broken Hill an. Wenn ich mir die Stadt so angucke, dann weiß ich auch
nicht was mich geritten hat Broken Hill als Ziel auszusuchen, es
handelt sich schlichtweg um eine Mienenstadt mitten in der Wüste, die
mit ungeheuerem technischen Aufwand betrieben wird.
Abends in der Kneipe kann ich sogar Fernsehwerbesendungen sehen, die
ein eigens in Broken Hill installierter Sender ausstrahlt um weitere
Mienenarbeiter zu werben. Im nachhinein kann ich das Entsetzen von
Martin verstehen, der in unserem regen E-Mailverkehr sein völliges
Unverständnis darüber zum Ausdruck gemacht hatte, dass ich unbedingt
nach Broken Hill wollte.
Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass in diesem Teil
Australiens Straßen schon ausgesprochen dünn gesät sind und es
entsprechend nur wenige Querverbinder gibt.

Außerdem liegt in der Nähe von Broken
Hill auch Silverton, der Drehort für einen Teil der Mad Max Filme. Und
ganz im Mad Max Fieber heize ich dann mit der Bandit auch über die
immer schmaler und versandeter werdende Piste.
Bislang waren die in relativer Nähe springenden und laufende Emus noch
recht interessant anzusehen, bis ich zum ersten mal, man glaubt es
kaum, Kamele in der australischen Wüste sehe. Und prompt bin ich auch
schon abgelenkt und fahre frontal in ein Emu hinein. Ein Emu ist die
australische Form des Vogelstrauß, womit man sich vorstellen kann, wie
groß und schwer das Vieh in ungefähr ist. Ich habe Glück im Unglück
und erwische den Vogel genau zwischen Scheinwerfer und Schutzblech, so
dass ich das Motorrad noch gerade halten kann und etliche Meter später
irgendwo im Sand ohne umzustürzen zum Halten bringen kann.
Zurück auf der Straße mache ich dann zunächst dem Leiden des Emu ein
Ende. Bedauerlicherweise hat mir vorher keine erklärt, dass die
Schenkel der Emus wohl eine Delikatesse sind und so verzichte ich auf
ein selbst gejagtes Abendessen. Getreu dem Motto des Rheinländers "et
hät noch immer jod jegange" setze ich die Fahrt nach Silverton fort.

Spätestens von hier aus gehen nur noch
versandete Gravelsroad in die Wüste hinein.
Die Kneipe selber ist voll mit Devotionalien betreffend die
Dreharbeiten und hat wahrscheinlich seit her nichts mehr interessantes
erlebt. Jedenfalls ist die Kneipe ein Dreh- und Angelpunkt für all die
Großstädter die einmal Offroadfeeling haben wollen und eine Vielzahl
von nahe zu gepanzerten, hochbeinigen Fahrzeugen trifft sich dort. Da
in dieser Gegend nicht allzu viel passiert, bin ich natürlich als
Motorradtourist relativ schnell in ein Gespräch eingebunden und werde
auch dazu beglückwünscht den Zusammenstoß mit dem Emu unbeschadet
überstanden zu haben.
Originalton: "Ey, your bumped an Emu and you survived, lucky man".
Ich muss gestehen, dass ich den Rückweg nach Brokenhill etwas
gemäßigter angetreten habe, zumal ich jetzt auch erkannt habe, dass
die Floodways dem Fahrwerk des Motorrades ausgesprochen abträglich
sind und bei jeder Landung zu erheblichen Schlingerbewegungen führen.
Sollten die im Film Mad Max mit den alten Z1 tatsächlich 200 km/h
gefahren sein, Hut ab!
Ach so, an dieser Stelle noch ein Wort zu den Kamelen. Irgendwo in
einem Reiseführer habe ich später gelesen, dass die Kamele wohl
bereits im 18.Jahrhundert nach Australien eingeführt worden sind um
dort den Postverkehr zu übernehmen. Als ihre Dienste nicht mehr
benötigt wurden, wurden die Tier einfach frei gelassen und da in einer
nachgerade heimischen Umgebung ausgesetzt, konnten sie entsprechend
auch Fuß fassen und sich gründlich vermehren. Die Kamele sind zwar
noch nicht eine solche Plage wie etwa die Kaninchen, wohl aber auf dem
Weg dahin.
Wieder in Broken Hill will ich noch schnell den Abstecher zur Grenze
nach South Australia machen, was jedoch wenig lohneswert ist. Auf dem
Rückweg werden die Schatten rapide schneller, so dass ich mich
selbstverständlich beeile um nach Broken Hill zu kommen.
Den Schrecken mit dem Emu vollkommen vergessen, habe ich an diesem
Tage zum zweiten mal eine Begegnung mit der dritten Art. Ich komme um
eine ziemlich scharfe Linkskurve geschossen, als ich sozusagen Aug in
Aug mit einem am Straßenrand weidenden Känguru stehe. Der Bursche ist
im Stand so hoch, dass wir uns tatsächlich geradewegs in die Augen
schauen können. Zum Glück ist das Känguru genauso verwundert wie ich,
so dass ich unbeschadet passieren kann.
Die beiden vorbeschriebenen Ereignisse zeigen, dass man auf jeden Fall
eine grundsätzlichen Regel in Australien zu beachten hat. Man sollte
nach Möglichkeit weder in der Morgen- noch in der Abenddämmerung mit
dem Motorrad unterwegs sein müssen.
Zwar sind auch Autofahrer gefährdet, haben jedoch im Falle des
Zusammenstoßes mit einem Vieh immer noch ein Blechkleid um sich herum.
Emus wie Kängurus suchen gerade die Nähe zur Straße auf, weil der
Straßenrand regelmäßig noch ein wenig mit Grün bedeckt ist und damit
eine beliebte Weidefläche darstellt. So übertrieben es sich anhören
mag, teilweise ist die Straße rot vom Blut der dort verendeten Tiere,
wobei ich, im Vorgriff auf dem morgigen Tag, tatsächlich in der Nähe
von Wilcannia den aufgedunsenen Kadaver einer Kuh mitten auf der
Straße sehe, der die Ausmaße eines mittleren PKW´s hat.
Wie in den vergangenen Nächten auch bin ich wieder einmal erstaunt,
wie kalt es grundsätzlich nachts in Australien werden kann. Um
Reisegepäck zu sparen, bzw. das Volumen gering zu halten, habe ich nur
eine kleine Luftmatratze und einen recht leichten Schlafsack dabei, so
dass ich mich regelmäßig zumindest in den frühen Morgenstunden noch in
die Motorradjacke quetschen muss um halbwegs warm zu bleiben.
Da ich alleine bin und Australien an dieser Stelle außer der Landschaft
wenig Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, bin ich auch recht früh wieder
auf den Beinen. Am Ortausgang von Brokenhill treffe ich drei andere
Biker - es sei mir an dieser Stelle verziehen, das ich nach all den
Jahren die Namen nicht mehr weiß - die fragen ob wir gemeinsam reisen
wollen. Die Jungs sind unterwegs auf dem Weg zum Mount Hhope wo das
größte australische Motorradtreffen stattfindet und die Teilnehmer
bewundernswerterweise tatsächlich quer durch den australischen Kontinent
reisen um dort anzukommen.
Ein Einladung zur Teilnahme muss ich leider absagen, da ich heute oder
morgen Martin treffen wollte mit dem ich dann weiter Richtung Norden
fahren werde. Die Mitreisenden verfügen selbstverständlich über
wesentlich mehr Reiseerfahrung in Australien und stellen insbesondere
mit Besorgnis fest, dass ich aufgrund meines Tankvolumens zwingend in
Wilcannia tanken muss. Mit Blick in die Runde und der Feststellung,
dass wir zumindest zu viert sind, meint Bob ( ah, doch noch ein name
erinnerlich ), der Anführer, dass wir gute Chancen haben Wilcannia
unbeschadet zu verlassen. Bereits in den Reiseführern hatte ich
entsprechend spannende Geschichten über Wilcannia und die dort
herrschende Aboriginikultur gelesen, ähnliches hatte Emo auch bereits
in seinen Geschichten vorher gemailt.
Kurz und gut, wir haben Walkenia unbeschadet verlassen können,
allerdings war die Atmosphäre ausgesprochen unangenehm und bedrohlich.
Die Motorräder waren noch nicht abgestellt, als bereits die ersten
vier oder fünf Aboriginis hautnah um uns herum standen.
Beim Einführen des Tankstutzen gab es bereits den ersten Körperkontakt
und Abtasten des Gepäcks. Außerhalb der Ortschaft mussten wir unser
Gepäck erst einmal nachspannen, da der eine oder andere Packriemen
bereits angelöst war. Dieses Erlebnis ist jedoch im wesentlich das
einzig unerfreuliche gewesen, was ich auf dieser Tour erlebt habe.

In Cobar trennen sich unsere Wege, da ich
heute Abend zumindest noch bis Hay kommen muss. Ab hier wird die
Strecke auch wieder etwas zivilisierter und unvollstellbar große
Baumwollfelder säumen die Straßen. Über Hay kann ich nicht viel
berichten, außer das das Bier auch im Supermarkt ausgesprochen gut
gekühlt war.
Am nächsten Morgen mache ich mich Richtung Warrumbungle Nationalpark,
wo ich irgendwann am Vormittag Martin treffen werde. Gemeinsam wollen
wir tiefer in den Park hinein fahren um zunächst das Radioteleskop zu
besichtigen in dem er arbeitet, sowie sodann im Park selber zu
übernachten. Die Freude des Wiedersehens ist groß, ist Martin (Martin
Österreich geschrieben MO) bereits vor etlichen Jahren aus Deutschland
ausgewandert. Früher war er mit Theresa ein Paar, das hat sich
augenscheinlich in der australischen Sonne erledigt. Im Ergebnis
verbringen wir einen wunderschönen Abend mit offenem Feuer im
Nationalpark, keine 100 m von einem großen Rudel Kängurus entfernt.
Der nächste Tag ist mit eher ortsüblicher Besichtigung, einmal
Besichtigung des Arbeitsplatzes am Teleskop in Narrabri, sowie der
ländlichen Wohnumgebung und einer Farmcraft, einer ländlichen
Ausstellung verbunden. Für mich als Australienneuling ist das alles
wahnsinnig spannend. So gibt es etwa eine Ausstellung von kleinsten
Dampfmaschinen, Doc Reptrile, einem Typ der mit dem ganzes
gefährlichen Australienviehzeug hantiert, eine alternative, aus
Deutschland eingereiste Töpferfamilie und andere mehr. Den Abend
verbringen wir am Barbecue, bevor wir am nächsten Tag in Richtung
Queensland abfahren.

Unser nächstes Ziel ist Nimbin, die
Cannabis Hauptstadt von Australien und, Hand aufs Herz, ich habe da
keinen geraucht, obwohl bereits viele Kilometer vorher eine riesige
Dunstglocke über der Gegend hing. Dieser Teil Australiens hat einen
leicht viktorianischen Tasch und erinnert auf weiten Strecken an das
ländliche England.
Das andere Extrem sind dann wieder Regenwald ähnliche Passagen, wo
Urwaldriesen in einer Größe wachsen die für mich bisher kaum
vorstellbar war.

Nach dem Abend in Nimbin fahren wir bis nach Surfersparadis – die
Grenze nach Queenslan- und verbringen erst einmal einige Stunden an
hunderet von Kilometer langen und hunderte von Metern tiefen
Sandstrand. Aber die Idylle trügt auch hier wie überall in Australien.
Nirgendwo auf der Welt ist die Haigefahr größer als in Australien und
nirgendwo auf der Welt dürften mehr Menschen beim Freischwimmen
ertrinken wie hier.
Gerade die australische Rettungsschwimmermannschaft ist weltberühmt,
Markenzeichen ist das von zwei Bändern unter dem Kinn festgehaltene
Bademützchen. Andy hat die wilde Strömung des Meeres am eigenen Leib
erfahren, er hat sich vor ein paar Jahren zu weit hinaus gewagt und
nur einem Rettungsschwimmer war zu verdanken, dass er es geschafft hat
an Land zurück zu kommen.
Aber nicht nur das Meer ist eine ständige
Gefahr, alles was sich in diesem Land bewegt ist eigentlich
schlichtweg giftig oder aggressiv. So wird kein vernünftiger
Australier je ohne vorher in die Winkel zu schauen irgendetwas aus
einem dunkelnden Schuppen heraus ziehen oder unter eine Klobrille
packen. Selbstverständlich werden die Motorradstiefel abends auch in
das Zelt genommen um zu verhindern das sich morgens ungebetene Gäste
darin befinden.
Es soll dies keine Panikmache sein, aber gesunde und gesteigerte
Vorsicht ist jedenfalls geboten.
Den nächsten Abend verbringen wir in Port Macquarie, wieder einmal
haben wie den Ratschlag nicht mehr bei Dunkelheit Motorrad zu fahren
vernachlässigen müssen, weil uns die Dunkelheit wieder überrascht
hatte.
Für mich als Neuling ist es vielleicht noch entschuldbar, Martin
ärgert sich jedoch über sein eigenes Fehlverhalten. Um den Ärger zu
kompensieren suchen wir einen returned soldier lig Salon auf. Diese
Clubs und Vereinigungen sind gegründet worden um Kriegsveteranen - den
wenigsten von uns dürfte bekannt sein, dass die Australier sich auch
im 2. Weltkrieg intensiv beteiligten mussten - ein preiswertes
Freizeitvergnügen in jeglicher Hinsicht zu gewähren. Nahezu jedermann
kann die Clubs betreten, so er sich denn an die jeweilige
Kleiderordnung hält und eine Einladung hat, wobei die Einladungen nach
einem mir nicht nachvollziehbaren System pauschal verteilt werden.
Jedenfalls kann man hier, ähnlich wie in Spielsalons, zu einem
Bruchteil gut essen und trinken. Aber auch in den Nebenräumen zeigt
sich die intensive Spielleidenschaft der Australier, von der wir uns
letztendlich auch mitreissen lassen. Von zwei ortansässigen
Jugendlichen werden wir zu einer Billardpartie herausgefordert,
glücklicherweise stellt sich heraus, dass es sich nicht um die
Dorfprofis handelt, sondern die Jungs genauso herum humpeln müssen wie
wir.

Am nächsten Tag hat das schöne Leben ein Ende und es geht auf den Pacific Highway Number 1 wieder Richtung Sydney. Die Motorradrückgabe gestalltest sich genauso unspektakulär wie die Übergabe, mit einer Handynummer kann ich einen verschlafenen Freund des Verleihers wecken, der einen kurzen Blick auf das Motorrad wirft und dann quittiert: "It`s ok man", dass war die Übergabe. Bleibt noch zu erwähnen, dass der Hangsei (oder ähnlich) geschriebene Hinterreifen trotz 6000 weiterer km genau die selbe Profiltiefe aufweist wie bei der Abfahrt. Ich habe jetzt noch zwei Tage in Sydney, wobei ich zunächst von Therese einen Anschiss bekomme, dass ich mich die ganze Zeit über nicht gemeldet habe. An dieser Stelle lerne ich dann auch Vanessa kennen, die wie wir alle die Leidenschaft Reisen teilt und mir in den nächsten Tagen eine intensive Sydney Sightseeing Tour zu teil werden lässt. Mit Antony und Theresa bringe ich noch einen spannenden Abend in den Spielhallen, wobei ich mittlerweile auch gelernt habe, dass die Australier neben ACDC auch einen weiteren Lokalfavoriten haben, nämlich die Band Chissel, die ausgezeichneten handgemachten Rock fabrizieren. An dieser Stelle noch ein kurzer Einschub zur Musikkultur, in Gaststätten ist es nicht üblich, dass durch das Lokal selber Musik angeboten wird, vielmehr geht gelegentlich einer der Biertrinker zur Musikbox, wirft für drei Titel klein Geld ein. wonach dann auch nach kürzester Zeit Ohren betäubend ACDC oder Chissel aus den Lautsprechern dröhnt. Der Abschied am nächsten Tag ist unspektakulär und kurz. Theresa steht üblicherweise - womit sie keine Seltenheit ist- bereits morgens um 04:00 Uhr auf um ihr Radtraining zu absolvieren. Im Laufe der kommenden Jahre wird Theresa diesbezüglich nicht nur ihre Promotion abschließen, sondern insbesondere auch den einen oder anderen Radsporttitel erringen. Mittlerweise muss ich gestehen, dass ich den Rückflug kaum ertragen kann, da ich mich so sehr wieder auf zu Hause freue. Aber auch die Stunden des Rückfluges kann ich angenehm verbringen, zumal durch das Bordpersonal freizügig kaltes australisches Bier und Nicknacks serviert werden. Feststeht für mich nach der ersten Reise nach Australien, dass ich mit Sicherheit wieder kommen werde und das im Ergebnis für mich keine spannenderen Motorradtouren gibt, als die jenigen die dort anfangen, wo die Straße aufhören. Michael Witsch