Reisebericht Amerika 2001

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Amerika 2001 Es ist Spätherbst 2000 und der amerikanische Dollar hat einen historischen Tiefststand erreicht. Was liegt da näher als die günstige Gelegenheit eines Fluges nach Amerika zu nutzen um dort die seit Jahren gewünschte und geplante Motorradtour durchzuführen. Hinzu kommt auch,dass selbstverständlich nicht nur die Flugpreise, sondern auch die Motorradmiete, wie auch die Lebenshaltungskosten aus aktueller Sicht ausgesprochen günstig sind. Das Leihmotorrad kostet gerade mal etwa 30 DM am Tag, inklusive aller Freimeilen, der Flug von Düsseldorf nach Phoenix pro Person etwa 800 DM. Einziger Hacken an dieser kostengünstigen Rechnung ist der Reisezeitpunkt, er liegt nämlich Mitte Februar. Zu normalen Motorradschutzbekleidung wird entsprechend auch die selbstgestrickte Wollunterwäsche und die gefütterten Motorradstiefel eingepackt. Am 12. Februar geht es los. Wir haben uns beide, wir das sind Andy meine Wenigkeit, den Tag so gestaltet, dass wir bereits vor 12 Uhr am Flughafen sind um unseren Urlaub und unsere Tour stressfrei beginnen zu können. Ganz so stressfrei wird der Abflug dann jedoch nicht, da wir in der Wartezeit fast eine komplette Palette Diebels naschen. Nur noch mit halben Ohr hören wir daher den letzten Aufruf und rennen mit kaum zusammengepackten Sachen zum einchecken. Die Wirkung des Diebels hält gründlich an, so dass ich den Flug bis Chicago, das dürften etwas 8 Stunden sein, komplett verschlafen habe. Von Chicago, dem Hauptlandepunkt in Amerika geht es noch weiter nach Phoenix, Arizona, das auch im Winter wegen des Wüstenklimas zumindest angenehme Tagestemperaturen verspricht. Im Flug inklusive ist ein kostenfreie Shuttleservice zum Hotel das wir für die erste Nacht gebucht haben. Da der Flug erst um 23:00 Uhr Ortszeit ankommt, beschränkt sich unsere Aktivität am ersten Abend in Amerika, im übrigen meinem ersten Aufenthalt hier, auf ein mehr oder minder gründliches Ausschlafen. Am nächsten Morgen werden wir, nach einem warhaft opulenten Frühstück von einem Fahrer der Verleihfirma abgeholt. Die Firma Eagle Rider unterhält eine Vielzahl von Verleihstationen in ganz Amerika was selbstverständlich auch bei einem möglichen Support recht sinnvoll ist. Die von uns gebuchten Motorräder, Harley Sportster mit 1000 cbm, dass preiswerteste Modelle, sind zum Teil nicht vorhanden, der letzte Entleiher hat eines der Modelle geschreddert – erklärt und der schwäbelnde Mechaniker. Im Ausgleich dafür bekomme ich das neuste Modelle der Harley Edition eine Dyna Glide mit 1600 cbm. Augenscheinlich gibt es in Amerika auch keine Schallschutz-bestimmungen, das Ding ist so laut, dass im Parkhaus die Alarmsirenen der dort abgestellten Autos anspringen. Obgleich Phoenix in derWüste liegt, scheint zur Zeit ein Unwetter aufzuziehen, so dass wir uns zunächst in Richtung Californien der Sonne entgegen aufmachen.Entlang der Interstate 10 geht es Richtung Blyte-die Grenze nach Californien, mit einer ersten Übernachtung am Colorado. Die Übernachtung auf dem Campingplatz ist die gleichfalls ausgesprochen preiswert, berechnet werden für uns beide 10 US$. Auch wenn das Wetter im wesentlichen nicht gerade strahlender Sonnenschein ist, so ist es doch zumindest trocken, die Tagestemperaturen sind erträglich und so geht es am nächsten Tag den Colorado aufwärts über den Highway 95 nach Parker, dann über Lake Hawasu nach Shoshonee. Shoshonee ist der Einstieg zum Death Valley, das wir am kommenden Tag kreuzen wollen. Da wir beide nicht unbedingt die großen Fans von Besichtigungen und Führungen sind, beschränkt sich unsere Tagestätigkeit im wesentlichen auch darauf einfach Motorrad zu fahren, wobei Tageskilometerleistungen zwischen 600 und 800 Kilometer überhaupt kein Problem darstellen. Shoshonee entpuppt sich trotz des klangvollen Namen als ein schlichtweg lausiges Nest auf dem wir am Rande des Camground auf fast betonhartem Boden unsere Zelte aufstellen dürfen. Die Nacht ist so kalt, dass am nächsten Morgen die Pfützen auf dem Campingplatz zugefroren sind. Als Highlight habe ich in der Nacht zudem auch noch eine Begegnung mit einem Kojoten, als ich das Zelt zwangsläufig nach übermaßigem Biergenuß – Coors - verlassen muß, kann ich den riesigen Hund der in einigen Meter Entfernung steht, zweiffelsfrei als Kojoten identifizieren. Am nächsten morgen wird dieses Erlebnis allerdings etwas relativiert, das Vieh heißt Joe und ist der anerkannte Dorfkojote. Wir machen uns weiter auf in Richtung des Death Valley, die von uns ursprünglich geplante Strecke über Californien, die Küste hoch nach San Franzisco können wir nicht nehmen, da aktuell wegen der großen Schneefälle im Norden die Pässe über den Josemite Park sämtlich geschlossen sind, beziehungsweise nur mit Schneeketten bewältigt werden können. Und so erreichen wir unser Ziel das Death Valley, Furnace Creek auch bereits gegen mittag. Langweilig wird uns jedoch trotz der eingeschränkten Anzahl von Sehenswürdigkeiten nicht. Zum einen findet aktuell auf dem Campingplatz ein jährliches Motorradtreffen statt, zu dem Reisende aus ganz Amerika ankommen. Zu erkennen ist dabei vor allem, dass der ältere aber wohlhabende Amerika augenscheinlich BMW oder Honda Harley vorzieht. Erstaunlich ist auch die Lebenskultur vieler Pensionäre, die ihren Lebensabend im Wohnmobil verbringen. Dabei darf man Wohnmobile nicht in herkömmlichen europäischen Sinn verstehen. Das amerikanische Mobilheim heißt RV – recration vehicle - Vekkel und hat in der Regel die Ausmaße eines deutschen Linienbusses. Angehängt ist üblicherweise auch noch ein, zumeist nicht kleiner PKW mit dem Vorort die kleineren Erledigungen getätigt werden. Um auf keinen Fall mit Aussentemperaturen konfrontiert zu werden, wird regelmäßig zudem unmittelbar nach dem Anlanden und Abstellen des Fahrzeuges auch noch ein Generator gestartet um die Klimaanlage betätigen zu können. Jedenfalls ist nicht zuletzt auf Grund des letztbenannten Umstandes ist die Nacht auf dem Campingplatz relativ laut. Da wir gestern den halben Tag immer wieder ankommenden amerikanischen Motorradfahrern erklären mussten wo wir herkommen, haben wir auch kein Problem am nächsten morgen früh aufzubrechen und uns langsam über die Staatsgrenze Californien- Nevada nach Las Vegas vorzutasten. In Las Vegas erwischen wir prompt auch die falsche Ausfahrt und ich gehe davon aus, dass uns nur unser mittlerweile leicht gammlig wirkendes Outfit davon bewahrt unmittelbar ausgeraubt zu werden. Es ist erstaunlich, dass vielleicht drei bis vier Straßenzüge vom Stripe, der Main Street auf Las Vegas solche, slumartigen Verhältnissen herrschen können. Aber, gesagt getan, kurze Zeit später haben wir die Main Street erreicht und flanieren mit der Harleys über die Straße die wir schon in vielen Filmen gesehen haben. Auch hier ist das Kultur- und Besichtigungvolumen eingeschränkt, da fast überall Halteverbote für Motorräder oder Autos stehen, so dass sich unsere Besichtigung von Las Vegas,wo wir ohnehin nicht übernachten wollen, auf das Durchfahren beschränkt. Relativ spät abends erreichen wir – nach einer kurzen Besichtigung des Hooverstaudammes -Kingman, dass wir uns als Einstieg in die Route 66 zur Weiterfahrt in Richtung Gran Canyon ausgesucht haben. Auch hier ist die Nacht wieder so kalt, dass die Zelte am nächsten morgen, ebenso wie die Sitzbänke, vereist sind. Zum ersten mal wird mir auch bewusst, dass der Gran Canyon oder beziehungsweise der Einstieg auf einem Hochplateau liegt das wohl deutlich über 2000 meter über dem Merresspiegel liegt. Die Nordrampe soll sogar noch 200 oder 300 meter höher liegen, dort wird es auch entsprechend noch kälter sein. Das Wetter ist zwar annehmbar, gleichwohl stellen wir am nächsten morgen beim aufwachen fest, dass es Neuschnee gegeben hat und sich das heraus fahren aus dem Park noch etwas schwierig gestaltet. Da unsere Haupbeschäftigung, wie Eingangs beschrieben, im Motorrad fahren bestanden hat, sind wir unserem Zeitplan zwei Tage vorraus und entschließen uns noch in Richtung New - Mexico abzubiegen. Diese Entscheidung sorgt dafür, dass wir tatsächlich endlich einmal in sonnenbeschienene richtig warme Gefilde kommen und auch erste Einblicke in verschwundene indianische Kulturen haben. Die Fortsetzung unserer Strecke nach Payson geht über Showlow, der Grenzen zu den Indianernreservaten, wo wir auch mit allerlei eher finsternen Gestalten konfrontiert werden. Die Landschaft die wir durchfahren erinnert an Filmkulissen, regelmäßig tiefe Canyons, bewachsen mit meterhohen Kakteen. Unser Ziel ist Tortillia-Flat, dass ich, als alter Hemmingway Fan unbedingt besichtigen möchte. Einziges Highlight ist jedoch der Apache Trail der nach Tortillia-Flat führt. Die Strecke ist zwar ausdrücklich nach den Verleihbestimmungen von der Benutzung ausgeschlossen, die knapp 30 Kilometer Schotter und Sand ersparen aber ein Umweg von mehreren hundert Kilometern. In Tortillia-Flat selber macht sich große Ernüchterung breit, einzig bewundertswert ist, dass Hemmingway über die drei Häuser tatsächlich ein ganzes Buch schreiben konnte. Abends auf dem Campingplatz werden wir zu einer Party eingeladen, wobei die Party aus uns, sowie dem Gastgeber Mike, seinen sechs Dosen Light Bier und einer Flasche Tequila besteht. Zum Glück sind die Packtaschen unseren Harleys wohl gefüllt und halten auch bei größeren Aussentemperaturen das Bier den ganzen Tag über kalt – Inhalt 32 Dosen Coors - . Wo bei wir uns vorgenommen haben uns in Amerika nochmal gründlich mit Jeans und T-Shirt einzudecken.