Reisebericht Alpen 2003
Italien 2003 – oder Martin´s Geburtstagsgutschein – oder Survival am Monte Grappa
Was schenkt man Jungunternehmern die sowieso schon alles haben ;-). Vor
eben diesem Problem standen wir im Sommer 2003 und fanden die Lösung wie

Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass das Foto fast schon
zehn Jahre alt ist, dem Campingplatz ist das aber nicht anzusehen.
Gesagt getan, am Morgen des 24.09.2003 ging es, nachdem Martin sich
spontan – heißt: mit dem Auto ankommen, zufällig den Helm dabeihaben
und mit dem Motorrad wieder abfahren - auch mal ein zeitgemäßes
deutsches Qualitätsmotorrad zugelegt hatte, ab in Richtung Süden.
Nachdem mein Unmut über die vermeintlich späte Abfahrt einem ständig
stärker werdenden Zittern und der Erkenntnis gewichen war, dass vier Uhr
morgens vielleicht doch ein bisschen früh gewesen wäre, brach ein
sonnenbeschienener Tag an. Über Ulm, Kempten und Fernpass fuhren wir
stressfrei – wer hätte das bei zwei Hektikern gedacht – Richtung
Reschenpass, nicht ohne vorher noch einen Abstecher nach Samnaun gemacht
zu haben. Samnaun zeichnet sich durch zweierlei aus, zum einen den
billigen Sprit und zum anderen den Umstand, dass wir dort in
Erinnerungen schwelgen konnten.

der Sprit so preiswert ist, war es auch nicht so tragisch, dass mir beim Anlanden in Sankt Maria auch ein, zwei Literchen aus dem umgekippten Motorrad ausliefen. Kaum auf dem Campingplatz angekommen – dieser liegt in Sankt Maria ( CH ) unmittelbar an der Zufahrt zum Umbrail – brannte auch bereits ein schönes Lagerfeuer.
Die Nacht war wieder eisekalt, aber die Zufahrt zum Umbrail ( 2503 m)
und weiter zum Stilfser Joch (2757 m) trocken und frei. Oben angekommen
erst mal Kaffee. Aus Gründen der Vernunft – man, ich bin aber auch
vernünftig – habe ich von einer Fahrt zum Ortler Haus abgesehen.
Weiter ging es runter in Richtung Bormio und sodann über Passo Gavia
(2621 m).


1884m ), diesmal ohne Kaffeepause, mussten wir feststellen, dass es bis zum Monte Grappa, dem eigentlichen Ziel des heutigen Tages doch noch recht weit war und so haben wir von einem Abstecher nach Madonna di Campiglio abgesehen. Ja, und so ging es mehr oder minder planlos und nach Himmelsrichtung orientiert durch das Gewühle von Trento über Borgo nach Bassano, der Zufahrt zum Monte Grappa. Vorsorglich haben wir uns dort erst mal mit den örtlichen Spezialitäten eingedeckt. Es gibt keinen größeren Fehler als hungrig einzukaufen, deshalb musste ich Teile des Einkaufes auch noch bei Martin auf dem Motorrad verstauen. Der Einkaufkorb war so voll, dass mir beim Verlassen des Supermarktes eine Autofahrerin folgte um den vermeintlichen Parkplatz zu erheischen, die gar nicht fassen konnte, dass ich den Einkauf auf dem Motorrad verstauen wollte.
Ankündigung in engen Serpentinen in Richtung Gipfel des Monte Grappa.
Dort macht allerdings eine Schranke die Weiterfahrt in Richtung des
Gipfelforts unmöglich. Die eigentlich geplante Übernachtung in den
Ruinen eine geschichtsträchtigen Gemäuers fand also nicht statt. Da
zudem der einzig vorhandene Campingplatz bereits die Saison beendet
hatte, wurde ich dazu gezwungen wild zu zelten.

Eigentlich soll man vom Monte Grappa aus bis
Venedig schauen können, das wage ich aber stark zu bezweifeln. Soweit
das Auge reicht hängt eine Dunstglocke über dem Land und erst im
Verlaufe der Nacht klart es soweit auf, dass sich ein, dann allerdings
tatsächlich riesiges, Lichtermeer auftut. Bereits am frühen morgen kommt
dann aber wieder der Dunst auf.
Um die Gemüter der bereits zur frühen Morgenstunde in Scharen
herannahenden Veteranen nicht unnötig aufzuwühlen - immerhin hatte
Martin als Lagerplatz die Zufahrt zu einem Partisanendenkmal gewählt –
haben wir die Zelte auch rasch abgebrochen und uns auf den Weg Richtung
Feltre gemacht.
Über den Passo Sant Osvaldo – der heißt tatsächlich so – ging die
Fahrt langsam in Richtung Slovenien. Die Grenzstraße über den Passo di
Tanamea nach Bovec wirkt verwunschen. Mitten im Wald, kurz vor der
Grenze liegt ein unwirkliches Wirtshaus, das den Eindruck erweckt, als
sei hier die Zeit stehen geblieben. Die Espressomaschine stammt aus dem
vorherigen Jahrhundert und der Euro hat hier die Lira noch nicht
ersetzt.
Der Grenzübertritt ist mittlerweile vollkommen unproblematisch,
eigentlich wartet jeder darauf, dass der Euro endlich offiziell
eingeführt wird. Der Campingplatz liegt unmittelbar am Fluss und der
Besitzer war sogar so freundlich uns noch ein Bier aus seinem privaten
Bestand von zu Hause zu holen.

Kleiner Tip am Rande, die letzte Bank, hinten links, hat nur noch drei Beine, da war uns irgendwann das Feuerholz ausgegangen. Bei immer noch strahlendem Sonnenschein haben wir uns Sonntagsmorgen dann Richtung Österreich aufgemacht.
Spannend ist noch der Pass Vrsic – keine Ahnung wie der richtig
ausgesprochen wird - jedenfalls zeichnet sich der Pass nicht unbedingt
durch seine Höhe – 1612 m – sondern durch die zum Teil noch mit
kleinem Pflaster ausgebauten Kehren aus.
Die Ausfahrt erfolgt dann über den Wurzenpass, weiter über Spital,
Katschberg und Radstädter Tauern ( Kaffeepause die einhundertste).
Nach erneutem Schwelgen in Erinnerung am Gosausee – bei Mohnstrudel
und, man glaubt es kaum, Kaffee – haben wir für die Nacht den
Campingplatz in Hallstatt aufgesucht. Noch in der Nacht schlug das
Wetter um und es fing endlich an in Strömen zu regnen. Entsprechend
waren spätestens jetzt alle Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Rückreise
mit dem Autoreisezug weg. Die Autoverladung in Salzburg liegt nahe dem
Stadtzentrum, so dass noch ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Besuch
im Brauhaus Stiegl und einen Stadtbummel blieb. Die Bahnverladung an
sich war wie immer spannend, liegt es doch im Naturell des deutschen
Rentners stets der erste an Bord sein zu müssen. Vor der Verladung muss
die Ladehöhe überprüft werden, zum Teil müssen etwa Verkleidungen oder
Antennen entfernt werden. Martin war dann auch direkt den vor ihm
stehenden Rentnern behilflich und überließ ihnen eine Zange zum
Abschrauben der Antenne. Ok, die Antenne war dann auch ab, leider aber
auch das Gewinde und die in der Karosserie befindliche Verschraubung.
Dass die Zange auch noch abgerutscht und auf den Lack geschlagen hatte,
war da eher nachrangig.

Ende für dieses Jahr, ach vielleicht noch abschließend, die nächste Tour ist schon fest geplant, der Autoreisezug, ebenso wie die erste Übernachtung, gebucht, diesmal geht´s nach Frankreich.